Finanzielle Vorsätze für erfolgreiche Anleger 2026 Teil I
Dieser Artikel wurde vom Investment-Team des Maklerpools Invers GmbH in Leipzig verfasst. Ich bedanke mich, dass ich den Inhalt veröffentlichen darf.
Ein neues Börsenjahr liegt vor uns – stellen Sie die richtigen Weichen! Zum Jahreswechsel ist der Blick nach vorn besonders verführerisch. Prognosen werden gehandelt wie Fahrpläne, Jahresausblicke wie Navigationskarten. Kaum ein Medium, kaum ein Experte, der nicht erklärt, was im kommenden Jahr „funktionieren wird“. Gleichzeitig lässt sich jedes Börsenjahr im Rückblick erstaunlich schlüssig erklären. Im Nachhinein waren die Gewinner klar, die Risiken offensichtlich und die Fehler vermeidbar. Nach zwölf Monaten weiß plötzlich jeder, was man „hätte tun müssen“.
Doch genau darin liegt das Problem. Rückspiegelwissen hilft nicht weiter. Es beruhigt das Ego, aber nicht das Vermögen. Die meisten Entscheidungen wurden nicht aus Überzeugung getroffen, sondern aus Hoffnung, aus Gruppendruck oder aus dem Gefühl heraus, etwas zu verpassen. Für die Zukunft taugt das wenig. 2026 verlangt keinen besseren Blick zurück, sondern einen besseren Umgang mit Unsicherheit.
Bücher über Crashs werden regelmäßig Bestseller, während Finfluencer mit einfachen Parolen enorme Reichweiten erzielen und den Eindruck erwecken, man könne mit wenig Wissen und geringem Zeitaufwand außergewöhnliche Ergebnisse erzielen. Gleichzeitig waren professionelle Investoren zuletzt bewusst vorsichtig positioniert – aus guten Gründen: hohe Bewertungen, geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Rohstoff- und Technologiekonkurrenz sowie politische Unwägbarkeiten. Diese Vorsicht wurde kurzfristig im Jahr 2025 nicht belohnt. War sie deshalb falsch? Nein. Sie war verantwortungsvoll.
Die folgenden sieben Vorsätze sind daher kein Versprechen auf schnelle Gewinne. Sie sind eine Einladung zu Klarheit, Disziplin und Demut – Eigenschaften, die an den Kapitalmärkten selten Applaus bekommen, langfristig aber den Unterschied machen.2026 verlangt keine besseren Prognosen. Es verlangt bessere Vorsätze.
Vorsatz 1: Wir verabschieden uns vom Rückspiegel
Vergangenheit erklärt vieles – sie entscheidet aber nicht über die Zukunft. Viele Anleger kennen diesen Gedanken zum Jahresende: „Eigentlich war doch klar, dass US-Technologie weiter steigen würde. Das hätte man sehen müssen.“ Nein, das war nicht klar. Es wirkt nur so, weil die Kurse heute höher stehen.
Rückspiegel-Investieren bedeutet, Entscheidungen von gestern mit dem Wissen von heute zu bewerten und daraus vermeintlich logische Schlüsse für morgen zu ziehen. Genau so entsteht ein trügerisches Sicherheitsgefühl. Anleger kaufen das, was gut gelaufen ist, weil es gut gelaufen ist – nicht, weil sie Geschäftsmodell, Bewertung oder Risiken besser einschätzen können. So entstehen übergewichtete Positionen und Klumpenrisiken, im Einzelwert ebenso wie im Index. Der Rückspiegel erklärt, warum etwas funktioniert hat. Er sagt nichts darüber, ob es erneut funktionieren wird. Märkte leben vom Wechsel, nicht von der Fortschreibung der Vergangenheit. Favoriten werden mit der Zeit groß, teuer und träge – oft genau dann, wenn sie am sichersten erscheinen. Neue Chancen entstehen meist abseits der Schlagzeilen.
Der Rückspiegel ist ein sinnvolles Instrument, um Lehren zu ziehen und Fehler zu analysieren. Als Navigationsgerät für die Zukunft taugt er nicht. Wer 2026 erfolgreich investieren will, muss akzeptieren: Die Zukunft entsteht nicht aus Fortsetzungen, sondern aus Veränderungen.
Vorsatz 2: Wir legen die Glaskugel beiseite
Kaum etwas beruhigt Anleger so sehr wie Prognosen. Zinsausblick, Jahresendstand, Top-Sektor, Top-Aktie – sie versprechen Ordnung in einer komplexen Welt. Diese Illusion von Kontrolle ist menschlich. Und sie ist gefährlich. Niemand verfügt über eine Glaskugel. Weder Volkswirte noch Marktstrategen, weder Medien noch Influencer. Wer seine Entscheidungen an Kursmarken, Kalenderdaten oder Jahreszielen festmacht, baut auf Sand.
Wie oft haben sich Anleger in den vergangenen Jahren gedacht: „Ich warte lieber noch, bis klar ist, wie sich Zinsen, Inflation, Trump, China oder der Krieg entwickeln.“ Viele haben genau so gehandelt – und sind bis heute nicht investiert oder immer wieder zu spät eingestiegen. Prognosen geben ein gutes Gefühl, führen aber häufig dazu, nicht zu handeln oder falsch zu handeln.
Ein einfaches Beispiel macht das deutlich: Anleger A investiert regelmäßig, obwohl er nicht weiß, wie sich Politik, Zinsen oder Konjunktur entwickeln. Anleger B wartet auf „mehr Klarheit“. Nach zehn Jahren ist Anleger A fast immer besser aufgestellt – nicht wegen besserer Vorhersagen, sondern wegen größerer Disziplin.
Entscheidend ist nicht, was wir erwarten, sondern wie wir handeln, wenn Erwartungen enttäuscht werden. Prognosen beruhigen. Strategien tragen. Unsicherheit ist kein Ausnahmezustand – sie ist der Normalfall.
Vorsatz 3: Wir trennen Investieren konsequent von Zocken
Viele Anleger würden empört sagen: „Ich zocke doch nicht.“ Und doch zeigen Depots oft etwas anderes. Einzelwerte ohne klare Begründung. Kryptowährungen aus Angst, etwas zu verpassen. Thematische Wetten nach Medienberichten. Der Übergang ist fließend – genau deshalb ist eine klare Abgrenzung so wichtig.
Von Null auf Hundert zu gehen – vom Sparbuch direkt zur Einzelwette oder zur Kryptowährung – ist kein Mut, sondern Ungeduld. Investieren heißt dabei nicht automatisch, Aktien zu kaufen. Investieren heißt, Geld in Anlageformen zu stecken, die zum eigenen Anlegerprofil passen: zur persönlichen Risikotragfähigkeit, zur Erfahrung und zum Zeithorizont. Genau hier liegt das Problem vieler Anleger. Sie halten sich nicht für Zocker. Sie wollen keine sein. Und sind es dennoch – oft ohne es zu merken.
Nicht aus Leichtsinn, sondern aus Selbstüberschätzung. Weil die letzten Jahre gut gelaufen sind. Weil Verluste selten waren und schnell wieder aufgeholt wurden. Weil viele Anleger noch nie einen echten, länger andauernden Stressmarkt erlebt haben. Zocken beginnt nicht erst dort, wo spekulative Produkte gekauft werden. Zocken beginnt dort, wo Entscheidungen nicht mehr zum eigenen Profil passen, Risiken unterschätzt und Bewegungen mitgemacht werden, die man emotional und finanziell nicht durchhalten kann.
Ein zentraler Treiber dieses Verhaltens ist FOMO – Fear of Missing Out, die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen. Sie sorgt dafür, dass Anleger Trends hinterherlaufen, zu spät einsteigen, zu teuer kaufen und in schwierigen Phasen zu früh wieder aussteigen. Analyse wird durch Emotion ersetzt, Hoffnung durch Handlung.
Der Unterschied ist einfach – und doch entscheidend: Investieren bedeutet, zu wissen, warum eine Anlage zum eigenen Profil passt und warum man sie auch dann hält, wenn es unangenehm wird.Zocken bedeutet, zu hoffen, dass es gut geht – obwohl es eigentlich nicht passt. Geschichten über schnelle Gewinne klingen besser als Berichte über Disziplin. Doch wer sein hart erarbeitetes Geld einsetzt, sollte sich ehrlich fragen, ob er investiert – oder hofft. Die Märkte verzeihen solches Verhalten manchmal. Dauerhaft belohnen werden sie es nicht.
Vorsatz 4: Wir hinterfragen den „billig-ist-gut“-Reflex – ohne Ideologie
Kosten sind wichtig. Aber billig ist kein Qualitätsmerkmal. ETFs werden oft als einfache, günstige und vermeintlich „sichere“ Lösung dargestellt. Und ja: Sie sind transparent, liquide und kosteneffizient. Was viele Anleger jedoch unterschätzen – oder nicht verstehen wollen – ist ihre Mechanik.
Ein ETF kauft nicht die besten Unternehmen. Er kauft die größten – und zwar immer mehr davon, je besser sie gelaufen sind. Wer passiv investiert, kauft damit systematisch die Gewinner der Vergangenheit, unabhängig davon, ob diese noch attraktiv bewertet sind. In Phasen einseitig steigender Märkte fällt das kaum auf. Im Gegenteil: Es fühlt sich richtig an. In anspruchsvolleren Marktphasen zeigt sich jedoch die Kehrseite.
Ein Beispiel macht das greifbar: Besteht ein Index zu 30 oder 40 Prozent aus wenigen, sehr hoch bewerteten Unternehmen, dann trägt genau dieser kleine Teil den Großteil des Risikos. Kommt es hier zu Korrekturen, zieht dieser Block den gesamten Index nach unten – egal, wie viele Titel formal enthalten sind. Das ist kein ETF-Bashing. Das ist Realität.
Besonders problematisch wird es in einem echten, länger andauernden Crash. Bei passiven
Strategien gibt es keine Reißleine. Niemand reduziert Risiken aktiv. Noch gravierender: Viele
Anleger haben weder die Erfahrung noch den Mut, in solchen Phasen sinnvoll wieder einzusteigen. Sie halten aus Angst zu lange durch – oder verkaufen genau dann, wenn die Verluste am größten sind.
Eine sachliche Einordnung ist deshalb notwendig. Passiv bedeutet nicht automatisch sicher. Aktiv bedeutet nicht automatisch besser. ETFs sind Werkzeuge – und gute Werkzeuge können falsch eingesetzt werden. Entscheidend sind Marktphase, Bewertung, Risikosteuerung und Erfahrung. Wer das ignoriert, ersetzt Analyse durch Etiketten. Passiv ist kein Fehler für Selbstentscheider. Aber passiv ist auch kein Schutzschild – insbesondere nicht für unerfahrene Anleger.