3 March 2026

Die versteckten Risiken passiver Anlagestrategien II

Risiken passiver Anlagen


1. Marktkonzentration auf wenige Werte

Mittlerweile sind alle bekannten großen Indizes oft auf wenige Mega-Cap-Aktien ausgerichtet, wie beispielsweise die Magnificent 7. In diese Werte fließt unverhältnismäßig viel Kapital, da passive Fonds diese Indizes nachbilden. Durch die Abhängigkeit von dominierenden Unternehmen kommt es zu einer Klumpenbildung in den Portfolios.


2. Störung der Preisfindung

Aktive Investoren analysieren Unternehmen, bewerten Fundamentaldaten und tragen zur Festlegung fairer Preise bei, während passive Anleger einfach die vorherrschenden Preise akzeptieren. Je mehr passive Transaktionen erfolgen, desto weniger Teilnehmer bleiben übrig, um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu bestimmen.


3. Preisfindung verliert an Bedeutung

Die Preisfindung verliert mehr und mehr an Bedeutung und die Märkte schaffen Fundamentaldaten, anstatt sie widerzuspiegeln. Mit steigenden Kursen gehen optimistische Einschätzungen einher die folglich weitere Anstiege rechtfertigen; ein Kreislauf, der die Bewertungen von der Realität abkoppelt. Im Technologiesektor gibt es Beispiele für diese Entwicklung zuhauf, beispielsweise die Investition von Nvidia in OpenAI und das anschließende Versprechen von OpenAI, Nvidia-Chips zu kaufen usw. Die wirtschaftliche Realität hinkt der Begeisterung in vielen Fällen hinterher.


4. Fiktion der Liquidität

Vielen Anlegern ist nicht bewusst, dass ihre Liquidität trügerisch sein kann. Die Preise werden von den Zuflüssen in die Höhe getrieben, aber wenn sich die Stimmung dreht und Abflüsse einsetzen, kann die Liquidität verschwinden. Viele große Werte sind weit weniger liquide, als ihre Marktkapitalisierung vermuten lässt, da ein wesentlicher Teil ihres Streubesitzes in passiven Anlageinstrumenten gebunden ist. In Stressphasen können Verkäufe durch Indexfonds die Käufer überfordern und zu starken Kursrückgänge führen.


5. Steigende Korrelation

Mit Zunahme des passiven Investierens steigt auch die Korrelation zwischen den Aktien, da mit Indexfonds unabhängig von der Performance und den individuellen Merkmalen Anleger die selben Werte kaufen. Dadurch entwickeln sich die Preise in vielen Sektoren parallel und die Diversifizierung wird untergraben.


6. Steigende Bewertungen und Blasenbildung

Die Gewichtung nach der Marktkapitalisierung sorgt dafür, dass passive Fonds mehr Kapital in Firmen investieren, deren Aktienkurse bereits gestiegen sind, unabhängig von ihren Fundamentaldaten. Dieses Momentum führt zu einem Risiko der Überbewertung, da die Kapitalströme kontinuierlich Größe und Preis verfolgen. Traditionelle Mechanismen,

die einst Exzesse korrigierten, verlieren an Wirkung. Dies untergräbt die natürliche Rückkehr zum Mittelwert, der normalerweise eintritt wenn Bewertungen überzogen sind. Steigende

Preise ziehen mehr Kapitalmittel an, welche die Preise noch weiter in die Höhe treiben, ggf. zu einer Blasenbildung führen und Crashs nach ihrem Platzen noch verschärft.


7. Kontrolle durch wenige Vermögensverwalter

Über 70 Prozent der globalen passiven Anlageprodukte wird durch eine kleine Anzahl von Vermögensverwaltern, wie BlackRock, State Street und Vanguard kontrolliert. Diese Gesellschaften geben mehr für Lobbyarbeit aus als der Rest der Finanzbranche zusammen. Ihr Einfluss auf die Politik ist enorm. Zudem werden durch ihre Stimmrechte Unternehmensführungen, strategische Entscheidungen und Umweltpolitik in der gesamten Wirtschaft beeinflusst. Dies führt zu einer Anhäufung von Macht bei einer gleichzeitig aufgeweichten Rechenschaftspflicht, bei der folglich kurzfristige Renditeziele gegenüber langfristiger Wertschöpfung der Vorzug gegeben werden kann.


8. Engagement in Derivaten und synthetische Struktur

Das Angebot an verfügbaren Aktien wird oft durch passive Nachfragen überstiegen. Um Anlegerkapital trotzdem zu investieren, können ETFs auf Derivate wie Futures zurückgreifen,

anstatt die jeweiligen Aktienwerte zu kaufen. Somit können mehrere Investoren das

Eigentum an demselben zugrunde liegenden Wertpapier beanspruchen – diese synthetische Struktur führt zu einer gefährlichen Hebelwirkung.


9. Systemische Anfälligkeit durch synchronisierten Handel

Die Mischung aus Liquiditätsillusion, Korrelation und synthetischer Struktur verstärkt die systemische Anfälligkeit. Passive Anlagen versprechen Investoren dauernde Liquidität. Aufgrund ihrer Vermögenswerte können sie aber in der Praxis illiquide werden. Bei Rücknahmen in größerem Rahmen kann es zu Zwangsverkäufen bei den Fonds führen, welche die selben Werte halten, wodurch die Volatilität noch verstärkt wird. Durch passives Investieren wurden große Teile des Aktienmarktes in einen einzigen synchronisierten Handel verwandelt.


10. Politik und Marktsignale

Politiker sind häufig auf der Suche nach Marktsignalen, da sie der Meinung sind, dass sich die positive Stimmung dort, hinsichtlich der Gesundheit der Gesamtwirtschaft widerspiegelt. Werden die Aktienmärkte allerdings nicht von Fundamentaldaten, sondern überwiegend von passiven Investments geprägt sind diese Signale irreführend oder geringstenfalls nicht zuverlässig. Was den Zustand der Wirtschaft angeht sind die daraus ziehenden Schlussfolgerungen realitätsfern.


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